#3 - Dein Hund im Restaurant - eine Anleitung für entspannte Café- und Restaurantbesuche
- Agathe Mayerhofer

- 3. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Dez. 2025
Du kannst den Beitrag hier lesen oder höre ihn dir als Podcast beim Gassigehen an:
Du möchtest, dass dein Hund entspannt im Restaurant bleibt?
Ja, es gibt diese Hunde, die man einfach eines Tages zum Pizzaessen mitnimmt und die sich dann einfach auf ihrer Decke zusammenrollen und schlafen, bis man wieder geht. ABER: Das sind Ausnahmen. Die meisten Hunde müssen erst mal lernen, dass Restaurant Ruhezeit bedeutet.
Ihr solltet entspanntes Verhalten im Restaurant also üben. Und mit ÜBEN meine ich, dass du nur zu Trainingszwecken ins Café oder Restaurant gehst und dich noch nicht mit Freunden verabredest.

Erstes Training:
Zuerst gilt es die passenden Bedingungen zu schaffen: dein Hund sollte genug Bewegung bekommen, sich lösen können und nicht zu aufgeregt sein. Mache also vorher einen Spaziergang normaler Länge zu einer normalen Tageszeit. Üblicherweise ruht dein Hund bereits nach diesem Spaziergang.
Nun gilt es passende Trainingsorte zu finden. Ich empfehle Cafés statt Restaurants, einfach weil man anfangs nicht sehr lange sitzen bleiben kann. Achte zudem auf eine ruhige Tageszeit.
Nimm eine kleine Decke oder ein Handtuch mit, welches du auch künftig für diese Situation verwenden möchtest. Das kann eine sehr gemütliche gepolsterte Decke sein, wenn dein Hund es eher kuschelig mag. Wenn dein Hund eher der Typ ist, der auf glatten Fliesen liegt, empfehle ich dir ein kleines Handtuch. Es geht hier mehr um das optische Signal als darum, dass dein Hund vollständig auf die Unterlage passt.
Die Decke platzierst du so, dass dein Hund möglichst abgeschirmt ist von vorbeigehenden Menschen.
Du kannst deinem Hund nun beispielsweise einen Kauartikel geben und solange bestellen. Ich empfehle auch gleich zu bezahlen, damit du das Café jederzeit verlassen kannst. Wähle etwas zum Kauen was deinen Hund etwas beschäftigt und ihm hilft herunterzufahren.
Dein Hund bleibt angeleint und du solltest ihn mit der Leine daran hindern umherzulaufen. Idealerweise kommt dein Hund selbst nach einiger Zeit zur Ruhe.
Signale wie "Sitz" oder "Platz" sind hier nicht ratsam. Bedenke, dass du diese vermutlich über so eine lange Zeit nicht durchsetzen kannst, dein Hund wird die Position womöglich selbst auflösen. Damit machst du dir diese Signale kaputt. Außerdem geht es in dieser Situation darum, dass dein Hund lernt sich selbstständig zu regulieren und zur Ruhe zu kommen. Ein erzwungenes "Platz" ist keine Entspannung.
Du selbst solltest dich nun auch entspannen, vielleicht hast du etwas zum Lesen dabei oder hörst Musik. Deine Gelassenheit ist hier auch ein entscheidender Faktor. Du musst deinen Hund nicht vollständig ignorieren, aber solltest ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, denn künftig wirst du dich in dieser Situation auch nicht deinem Hund widmen. Etwas Streicheln zur Beruhigung, besonders am Anfang, ist aber kein Fehler. Hier gilt es ein gutes Maß zu finden.
Wie lange ihr nun bleibt erfordert etwas Fingerspitzengefühl: anfangs machst du natürlich kurze Einheiten, da genügend auch mal 10 Minuten. Wichtig ist, dass dein Hund ein Bisschen heruntergefahren ist, bevor ihr das Training beendet. Idealerweise verlässt du das Café, wenn dein Hund entspannt ist.
Wenn dein Hund es gar nicht schafft zur Ruhe zu kommen:
Dann stimmen die Bedingungen für euer Training vermutlich nicht. Vielleicht ist das Restaurant oder Café zu hektisch oder dein Hund hat Angst vor den Menschen oder andere Bedürfnisse wurden nicht erfüllt.
Notfalls verlasst ihr das Café relativ zügig und du überlegst, was du beim nächsten Mal besser machen könntest.
Manchen Hunden hilft es, wenn man anfangs nur im Außenbereich sitzt. Auch ein Vortraining mit einer Ruhedecke zu Hause ist eine tolle Vorbereitung. Hat dein Hund die Decke in verschiedenen Situationen als Ruhesignal gelernt, kann dies eine tolle Unterstützung im Restaurant sein.
Für manche Hunde kann auch eine Stoffbox eine gute Möglichkeit darstellen, da sie Sichtschutz und Sicherheit bietet. Die Box muss auch nicht unbedingt geschlossen sein.
Was du unbedingt vermeiden solltest:
Besonders in der Welpenzeit ist man kaum geschützt vor Menschen, die sich unfassbar über Welpen freuen und diese freudig begrüßen möchten. Wenn du aber mit deinem Welpe in ein Restaurant oder Café gehst und dieser gleich zu Beginn überschwänglich begrüßt wird, lernt er, dass dies sehr aufregende Orte sind. An Ruhe ist dann dort nicht mehr zu denken. Du solltest dich also vorbereiten und dir einen passenden Satz zurechtlegen, wenn ihr das Restaurant betritt und du merkst, dass freudige Menschen herankommen. Vielleicht schaust du schon vor dem Hineingehen, dass ihr einen guten Moment erwischt und zügig an einen Platz am Rand kommt, wo du deinen Hund auf einer Decke platzierst bevor euch andere Menschen begrüßen. Eine weitere Möglichkeit ist es, dass du deinen Welpen auf den Arm nimmst und ins Restaurant hinein trägst.
Sind Belohnungen erlaubt?
Ist es sinnvoll, dass du deinen Hund für ruhiges Warten mit Futter belohnst? Darauf gibt es leider keine eindeutige Antwort. Ja, es kann von Vorteil sein ruhiges Verhalten zu belohnen, es hat aber auch leider den entscheidenden Nachteil, dass dein Hund eine Erwartungshaltung auf Futter entwickeln kann und dann nicht mehr zur Ruhe kommt in dieser Situation. Manche Hunde beginnen dann sogar zu bellen, um Futter einzufordern und es ist schwer, aus dieser Situation herauszukommen.
Ich empfehle es daher nicht bzw. nur einen einzigen Kauartikel am Anfang, der deinem Hund hilft etwas Erregung abzubauen.

Es spricht aber nichts dagegen, ruhiges Verhalten in bestimmten Situationen zu belohnen, beispielsweise wenn gerade ein anderer Hund das Restaurant betritt und dein Hund diesen wahrnimmt und trotzdem ruhig liegen bleibt. Hier darf gerne eine gewisse Erwartungshaltung zu einer Belohnung entstehen. Oder wenn dein Hund ruhig liegen bleibt, wenn die Bedienung an den Tisch tritt, ist das durchaus ein Verhalten, was man verstärken darf.
Was es noch zu üben gilt:
Nimm deinen Hund auch mal auf die Toilette mit, auch das muss gelernt sein.
Suche verschiedene Cafés, Restaurants sowohl drinnen als auch draußen auf. Auch verschiedene Tageszeiten. Behalte das Ritual mit Decke und einem Kauartikel gerne bei.
Raus aus dem Training:
Wenn ihr einige gute Restaurantsituationen hattet, spricht nichts gegen einen echten Besuch.
Verabrede dich mit einer Freundin, stellt euch aber darauf ein, dass ihr möglicherweise nicht lange sitzen bleiben könnt. Ihr könnt euer Treffen ja auch zu einer kleinen gemeinsamen Gassirunde ausdehnen.
Wichtig ist auch hier: Deine Verabredung sollte deinen Hund nicht überschwänglich begrüßen oder ständig streicheln im Restaurant. Vergiss nicht, dass dein Hund hier künftig nicht stören soll, deshalb sollte er das gleich zu Beginn so lernen. Alles andere ist auch deinem Hund gegenüber nicht fair.
Fazit:
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Hund in einer so hektischen Umgebung wie einem Restaurant oder Café zur Ruhe findet. Es gilt die passenden Bedingungen zu schaffen und gutes Vortraining zu machen, damit dein Hund dauerhaft ein guter Restaurantbegleiter wird.

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