#6 - Ein Welpe zieht ein - Dein Fahrplan für einen entspannten Start
- Agathe Mayerhofer

- 29. Dez. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Lies den Beitrag oder höre ihn dir als Podcast beim Gassigehen an. Während der Blog dir einen schnellen Überblick verschafft, gehen wir im Podcast noch mehr ins Detail.
Der Einzug eines Welpen ist ein besonderes Ereignis. Doch zwischen Vorfreude und Welpenkauf tauchen meist auch die ersten Fragen auf: Was muss ich vorbereiten? Wie läuft die Abholung ab und wie meistern wir die erste gemeinsame Zeit?
In diesem Guide erfährst du, worauf es wirklich ankommt. Als Hundetrainerin begleite ich dich bei den ersten Schritten, denn eine gute Vorbereitung ist die Basis für ein entspanntes und harmonisches Hundeleben.

Die perfekte Vorbereitung – Bevor der Einzugstrubel beginnt
Der Einzug eines Welpen ist aufregend, doch damit ihr die erste Zeit stressfrei genießen könnt, ist eine gute Planung wichtig.
Pflichten und Vorsorge:
Haftpflichtversicherung: Ein absolutes Muss! Sie schützt dich vor Kosten, falls dein Welpe versehentlich einen Schaden verursacht.
Krankenversicherung: Heutzutage Standard und absolut empfehlenswert. Tierarztkosten können – besonders bei Notfällen – schnell in die Tausende gehen.
Kostenlose Registrierung bei TASSO e.V.: Lass deinen Welpen im größten Haustierregister registrieren. Sollte er jemals verloren gehen, ist dies der sicherste Weg, ihn schnell wiederzufinden.
Medizinische Anlaufstellen: Suche dir vorab einen Tierarzt in der Nähe und speichere die Nummer der nächsten Tierklinik für Notfälle auf deinem Handy.
Hundeschule: Meldet euch bereits vor dem Einzug eures Welpen für die Welpenschule an
Mache Haus und Garten welpensicher:
Haus welpensicher machen: Sichere lose Kabel mit Kanälen, entferne verschluckbare Kleinteile und prüfe deine Zimmerpflanzen auf Giftigkeit.
Treppenschutz: Offene Treppen sollten z.B. mit einem Kindergitter gesichert werden
Der Garten-Check: Dein Garten sollte sicher eingezäunt sein. Achte besonders auf kleine Schlupflöcher unter Hecken oder Zäunen – ein Welpe passt durch erstaunlich kleine Lücken!
Schaffe eine JA-Umgebung:
Dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen: Räum alles weg, was dir lieb und teuer ist! Welpen erkunden ihre Welt durch Knabbern. Die Welpenzeit ist kurz und kann sehr schön sein. Macht es euch nicht selbst schwer indem ihr unnötige Deko stehen lässt und du ständig damit beschäftigt bist, deinen Welpen daran zu hindern, diese nicht zu zerstören. Zudem machen Welpen sonst schnell die Lernerfahrung, dass sie viel Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie Dinge zerstören. Glaube mir, spätestens wenn dein Welpe deine Brille oder die Fernbedienung erwischt, wird er schnell sehr viel Aufmerksamkeit bekommen und das merkt der Knirps sofort.
Deshalb: aufräumen! Deko beiseite schaffen, keine Sorge, das ist nicht auf Dauer!
Die Erstausstattung: weniger ist oft mehr
Du musst nicht das gesamte Zoogeschäft leer kaufen. Diese Dinge sind für den Start wirklich sinnvoll:
Schlafplatz: Ein waschbares Hundebett. Mein Tipp: Kaufe für den Anfang ein günstiges oder gebrauchtes Modell, da viele Welpen ihre Betten in der Zahnungsphase gerne „umgestalten“.
Hundebox: für den Transport oder als Rückzugsort
Welpenauslauf oder Türgitter: Ideal als sicherer Rückzugsort und eine große Hilfe beim Training zur Stubenreinheit oder zum Alleinbleiben.
Näpfe: Ich empfehle hygienische Näpfe aus Keramik
Futter: Besorge unbedingt das gewohnte Futter vom Züchter, um Magenprobleme durch die Umstellung zu vermeiden.
Lesetipp: Welpen richtig füttern
Beschäftigung: Ein Kong oder eine Schleckmatte wirken Wunder zur Beruhigung.
Gassi-Equipment: Geschirr, eine längere Leine (mind. 5 Meter) sowie eine Leckerchentasche
Spielzeug: Übertreibe es nicht! Lerne deinen Hund erst kennen und schaue, welche Materialien er bevorzugt.
Der Weg nach Hause: So gelingt die erste gemeinsame Reise
Der Tag der Abholung: Ein emotionaler Meilenstein
Idealerweise hattest du bereits mehrfach die Gelegenheit, deinen Welpen beim Züchter oder bei der Züchterin kennenzulernen, sodass vielleicht schon eine erste zarte Bindung entstanden ist. Dennoch ist der Tag der Abholung für den kleinen Kerl ein gewaltiger Schritt: Ganz plötzlich verlässt er seine Mutter, seine Geschwister und die vertrauten Bezugspersonen. Umso wichtiger ist es, die Fahrt in sein neues Leben so stressfrei wie möglich zu gestalten.
Meine Tipps für eine entspannte Fahrt:
Das Team-Prinzip: Fahre zur Abholung bitte nicht allein. Du brauchst jemanden, der sich voll auf den Verkehr konzentriert, damit du dich während der Fahrt ganz deinem Welpen widmen und ihm Sicherheit geben kannst.
Fokus auf den Welpen: Wenn du kleine Kinder hast, empfehle ich dir, für sie am Abholtag eine Betreuung zu organisieren. Ich weiß, die Vorfreude ist riesig! Aber für deinen jungen Hund ist dieser Tag eine enorme Herausforderung. Ohne den Trubel kleiner Kinder kann sich dein Welpe viel besser auf die neue Situation und auf dich einstellen.
Timing ist alles: Plane die Abholung idealerweise für den Vormittag. So bleibt nach der Ankunft noch genügend Zeit, damit der Welpe bei Tageslicht sein neues Revier erkunden kann, bevor die erste aufregende Nacht im neuen Zuhause ansteht.
Vor dem Start: Kurz & knackig:
Gestalte die Übergabe beim Züchter zügig und ohne langes Abschiedszeremoniell – das hilft dem Welpen, schneller zur Ruhe zu kommen.
Ein wichtiger Hinweis für die Fahrt: Damit deinem Hund nicht übel wird, sollte er vor der Reise keine große Mahlzeit mehr erhalten. Gib ihm kurz vor der Abfahrt noch einmal die Gelegenheit, sich in Ruhe zu lösen, damit das Auto sauber bleibt und die Fahrt entspannt beginnen kann.
Die Fahrt: Sicherheit trifft Geborgenheit
Während der ersten gemeinsamen Fahrt ist deine Nähe der wichtigste Anker für den Welpen. Am besten setzt du dich mit nach hinten auf die Rückbank. So kannst du direkt auf seine Bedürfnisse reagieren und er fühlt sich in der fremden Umgebung nicht allein gelassen.
Mein Tipp für den Transport:
Verwende eine stabile, auf der Rückbank angeschnallte Hundebox direkt neben dir.
Nähe geben: Wenn der kleine Kerl sehr unruhig ist oder Trost braucht, darf er für den Moment gerne auf deinem Schoß zur Ruhe kommen. Deine Körperwärme wirkt in diesem Augenblick Wunder gegen den ersten Trennungsschmerz.
Sicher aufgehoben: Sobald dein Welpe eingeschlafen ist oder sich entspannt hat, legst du ihn vorsichtig in die Box. Dort ist er sicher untergebracht ist und kann in seiner „Höhle“ die neuen Eindrücke verarbeiten.
Pausenmanagement bei längeren Strecken:
Sollte die Fahrt länger dauern, ist ein guter Rhythmus entscheidend. Ich empfehle, alle 1,5 bis 2 Stunden eine Pause einzulegen. So hat dein Welpe die Chance, sich zu lösen und sich kurz die Beine zu vertreten.
Wichtig für die Sicherheit in der Pause:
Ruhige Umgebung: Verlasst für die Pause unbedingt die Autobahn und sucht euch ein ruhiges Plätzchen (z. B. in einem Wohngebiet oder auf einem Feldweg). Der Lärm an Raststätten kann einen Welpen massiv erschrecken.
Doppelte Vorsicht: Sichere deinen Welpen vor dem Öffnen der Autotür mit einem gut sitzenden Geschirr und einer Leine. In einer fremden, lauten Umgebung ist die Gefahr groß, dass er bei einem Schreckmoment kopflos wegläuft.
Willkommen Daheim: Die Ankunft im neuen Zuhause
Endlich angekommen! Die Reise ist geschafft und das neue Abenteuer beginnt. Jetzt ist ein strukturierter Ablauf entscheidend, um dem Welpen Sicherheit zu geben.
Schritt 1: Prioritäten setzen (Lösen!)
Bevor es zur großen Erkundungstour geht, hat die Lösestelle Priorität. Bringe deinen Welpen direkt vom Auto aus in den Garten oder an die vorher ausgewählte, ruhige Stelle vor dem Haus.
An der Leine lassen: Behalte ihn unbedingt an der Leine. So kannst du ihn gezielt führen und verhindern, dass er vor Aufregung losflitzt und vergisst, sein Geschäft zu erledigen.
Geduld: Laufe entspannt mit ihm hin und her, bis er sich gelöst hat.
Schritt 2: Die Erkundungstour
Erst danach geht es ins Haus. Jetzt darf der kleine Entdecker sein neues Reich erkunden.
Raum und Ruhe: Welpen sind neugierig und werden das Zuhause inspizieren. Lass ihm dafür ausreichend Zeit und Ruhe. Es ist absolut in Ordnung, Räume, die er (noch) nicht betreten soll, mit einem Türgitter abzusperren.
Schritt 3: Der richtige Zeitpunkt für die Familie
Kinder und Besuch: Kinder oder Besuch sollten erst dann dazukommen, wenn der Welpe seine neue Umgebung erkundet hat, sich gelöst hat und eine erste Ruhephase einlegen konnte.
Regeln aufstellen: Erkläre den Kindern vorab die Regeln: Nicht bedrängen, nicht hochheben, sondern warten, bis der Welpe von selbst den Kontakt sucht.

Die ersten Tage und Nächte: Ankommen und Vertrauen aufbauen
In der ersten Zeit prasseln unzählige neue Eindrücke auf deinen Welpen ein: neue Menschen, fremde Gerüche und eine völlig unbekannte Umgebung. Das ist eine enorme mentale Leistung für einen jungen Hund.
1. Die erste Woche: Weniger ist mehr
Ich empfehle immer, die erste Woche so entspannt wie möglich zu gestalten. Jetzt geht es nicht um Action, sondern darum, eine tiefe Bindung aufzubauen.
Keine großen Spaziergänge: Dein Welpe muss die Welt noch nicht entdecken. Haus und Garten (oder eine kleine Grünfläche direkt vor der Tür) reichen völlig aus. Viele Welpen zeigen anfangs ohnehin eine natürliche Hemmung, sich weit vom sicheren "Bau" zu entfernen.
👉 Lesetipp: Dein Welpe möchte nicht spazieren gehen
Besucherstopp: Auch wenn Freunde und Familie Schlange stehen – bitte sie um mindestens eine Woche Geduld. Dein Welpe muss sich erst an dich binden und sich sicher fühlen, bevor er neue Menschen kennenlernt.
2. Sicherheit durch Routine
Hunde lieben Vorhersehbarkeit. Etabliere von Tag eins an feste Routinen. Ähnliche Zeiten für Fütterung, Spielphasen und vor allem geplante Ruhezeiten geben deinem Welpen den nötigen Rahmen, um sich schnell an euer Leben anzupassen.
3. Nähe schenken – auch nachts
In der Natur bedeutet das Alleinsein für einen Welpen Lebensgefahr. Deshalb ist es völlig normal, dass er dir anfangs überall hin folgt.
Lass ihn nicht allein: Dein Welpe braucht deine Nähe, um zur Ruhe zu kommen. Das gilt besonders für die Nacht.
Die Schlafroutine: Gehe vor dem Schlafen noch einmal kurz an der Leine zum Löseplatz. Danach wird es ruhig im Haus. Begleite deinen Welpen sanft in den Schlaf.
Wo soll er schlafen? Der Welpe sollte in deiner unmittelbaren Nähe schlafen. Ob im Bett (was völlig okay ist, wenn du es dauerhaft möchtest) oder in einem Körbchen/einer Box direkt neben deinem Bett. Eine Hand, die du zwischendurch mal hängen lässt, wirkt oft Wunder.
Spätere Umstellung: Soll dein Hund später in einem anderen Raum schlafen, ziehe am besten für die erste Zeit mit ihm dorthin. Er kann erst dann allein schlafen, wenn er sich im Haus absolut sicher fühlt – das dauert in der Regel mindestens einige Wochen.

Der perfekte Start: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Hundeschule?
Viele frischgebackene Hundebesitzer fragen sich: „Wann sollen wir mit dem Training beginnen?“ Meine Antwort lautet: So früh wie möglich, aber mit dem richtigen Fokus.
Der Welpen-Ersttermin: Entspannt ankommen
Ich empfehle, den Ersttermin bereits wenige Tage nach dem Einzug zu vereinbaren. In dieser Phase werden die Weichen für euer gesamtes späteres Zusammenleben gestellt.
In diesem ersten Gespräch bei euch vor Ort oder in ruhiger Atmosphäre klären wir die brennendsten Fragen, damit Stress erst gar nicht entsteht:
Stubenreinheit
Ruhe & Entspannung: Die wichtigste Lektion für jeden Welpen
Beißhemmung: Damit das Miteinander harmonisch bleibt.
Alltagsmanagement: Alleinebleiben, der richtige Umgang mit Besuch oder das Zusammenspiel von Kind und Hund.
Individuelle Ernährungsberatung: Fütterungszeiten, Mengen und worauf du in der Wachstumsphase achten musst
Keine Sorge: Dein Welpe wird bei diesem Termin keinesfalls überfordert. Während wir die Strategien für euren Alltag besprechen, darf dein kleiner Begleiter einfach nur „sein“ und erste positive Eindrücke sammeln. Ich beobachte das Verhalten deines Hundes und wir erstellen gemeinsam einen Fahrplan, der zum Hund und eurem Lebensstil passt.
Der Welpenkurs: Sozialisierung mit Plan
Für das Training in der Gruppe (meinen Welpenkurs) sollte dein Hund mindestens eine Woche Zeit zum Ankommen gehabt haben. Je nach Individuum und Selbstbewusstsein des Welpen warten wir manchmal auch ein paar Tage länger. Ziel ist es, dass dein Hund die Welt neugierig entdeckt, anstatt sich ängstlich zu verstecken.
Möchtest du von Anfang an alles richtig machen?
Sichere dir am besten schon vor dem Einzug deines Welpen einen Termin für mein Erstgespräch. So startest du mit einem sicheren Gefühl in dieses große Abenteuer!
Fazit:
Abschließend gilt für die erste Zeit mit deinem Welpen die Devise: Weniger ist mehr. Gib ihm die nötige Zeit und Ruhe, um in seinem neuen Zuhause anzukommen, und konzentriere dich auf den Aufbau einer vertrauensvollen Bindung anstatt auf Action und Programm.

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